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30.09.2002] Ist hier schon mal jemand die Werbung für die aktuelle Ausstellung in der Schirn aufgefallen? Nein? Mir auch nicht. Also nicht, bis ich mir heute morgen aus lauter Langeweile die Begleitinformation zum Netzplan des RMV im Schaukasten zu Gemüte führen wollte. Doch da sprang sie mir fies ins Gesicht. "Total besoffen fahr ich heim, und kotze in den Nachtbus rein?" Nein. "Alles muss raus!" [Oder wars rein?] Aber das in einer für den Autor entlarvenden Käfer-Jeans-Ästhetik. Ja, ist ja schon gut. Wir wissen jetzt, dass Du Ende Dreissig, eher Anfang Vierzig und inzwischen Top-Kreativer einer suuperschicken Werbeagentur bist, der es entgegen dem allgemeinen Trend so dermassen gut geht, dass sie nebenher noch ein bisschen Platz für lokales Kulturmarketing hat. Da haben wir aber Glück! Sind nicht allein in Frankfurt-Stadt ein halbes Hundert Kreativdirektoren auf Jobsuche? Scheissegal. Ich jedenfalls habe jetzt keine Ahnung, um was es bei der Ausstellung geht. Ich weiss nicht einmal, ob das Plakatchen überhaupt eine Ausstellung in der Schirn beworben hat, oder ob es sich um einen allgemeinen Spendenaufruf für das notleidende Kulturestablishment handelt. Oh, Entschuldigung: ich meinte natürlich Etablissement.
[Frankfurt-Inne+++ Auf Langeland gibt es Schneeverwehungen, die immer quer zur Autostraße verlaufen, sogenannte Hullubs. Diese entstehen durch Luftlöcher, die die schneegesättigte Luft aufsaugen, immer in Bodennähe und bevorzugt am StraßenranHeute hat man mir im Supermarkt einen Grønt untergejubelt ohne, dass ich irgendwas davon mitbekommen habe! Ich habe nur durch Zufall davon Kenntnis erlangt, als ich bei Durchsicht meines Hosentascheninhalts den Kassenzettel in die Finger bekamRüdiger hat ein neues logistisches Prinzip entwickelt: Platz schaffen (im Kühlschrank) durch esseDie Hullubs werden von den Dänen übrigens mit riesigen, salzstreuenden Maschinenen bekämpft, wenn auch nicht sonderliche efffektis ist Silvester und Sven ist bereits erkältet. Später werden R. und S. einen sehr, sehr großen Lachs zubereiten. Im Supermarkt wurden lustige Papierhüte gekauft, und Øl ist in ausreichender Menge vorhandeØl heisst Bier, anstelle von Danke sagen die Dänen Tag, und Fenti Kroner auf den Geldscheinen ist nur eine Abkürzung für ein längeres, noch komplizierteres Wortinäugige Tauchmöse. Sven sieht nun schon seit mehreren Stunden einen futuristischen Action-Fernsehfilm, in dem unter anderem faschistische Taucherinnen mit Augenklappen, Peitschen, Handschellen und zweckentfremdetem Alltagsmetall als bizarres Kriegsgerät vorkommenStefan hat nun durchgesetzt, dass Lindenstraße gesehen wird.rkwürdiges Silvester. Auf Eurosport wird Sumo-Ringen gezeigt, was interessanterweise bei allen auf große Aufnahmebereitschaft stößt. Dazu Völlerei: pro Person vier Lachssteaks (der Fisch zu fünfzehn Mark), Gurklensalat, Kartoffelsalat (mit und ohne Ei), Eisbergsalat mit Tomaten, Mixed Pickles, dann Hackbraten mit Rotkraut. Dazu Unmengen Øl. Sumo lief ohne Ton, wir hörten laute Musik. Sven hatte schlechte Laune und bekam nach einigen Dosen Bier heftigen Ausschlag: eine Dosenallergie. Die Laune wurde noch schlechter. Der allgemeine Humor wurde ordinär und Tanja wurde mehrfach gefragt, wie sie sich eigentlich als einzige Frau dabei fühle. Mit Winzersekt aus der Pfalz wurde angestoßen, mit Whiskey und Wodka hat man sich gepflegt die Lichter ausgeschossen. Zum schlafen habe ich mich aufs Sofa gelegt, um noch ein wenig an der mittlerweile um Roland und Peter reduzierten Gesellschaft zu partizipieren. Nach Mitternacht hatte ich ein merkwürdiges, knappes Telefonat mit M., an die ich auch jetzt wieder denke, so unerreichbar weit weg. Donnerstag, Freitag werde ich mich wieder melden, vielleicht tagsüber, das ist einfacher. Lese ich jetzt die Schachnovelle zu Ende oder schlafe ich noch ein Weilchen? Ich mache erstmal die Tür zu, sonst werden wir alle erfrierenetzt ist dieses gottverdammte Buch verschwunden und Stefan schnarcht wie ein mittleres Sägewerko suchte ich denn des Morgens eine Stunde lang das Buch ohne Erfolg, mich missmutig wieder schlafen legend. Gegen Mittag, mit Erwachen der anderen, wiederholte ich meine Bemühungen, Sven von dem Mysterium berichtend. Der glaubte, wie sich eine weitere Stunde später zeigte, es handele sich um ein Buch mit Mysterien zum Inhalt keinesfalls um die Schachnovelle, die er sich gegen Morgen, als Stefan und Peter volltrunken laut Volkslieder gesungen hätten, zum Einschlafen an sich genommen hat. Aha. Schnell habe ich sie jetzt beendet, bevor noch was dazwischenkommImperatoren der Stunde! Ein ausgedehnter Strandspaziergang bildete eine hervorragende Grundlage für einen gemütlichen Fernsehnachmittag: Nach grauem Himmel, schneidender Kälte, Hullubs am Wegesrand, vereistem, steinigen Strand gab's Flash Gordon mit Zigarillos und Øl; schnell heiss geduscht, erfrischt, bereit für einen wunderbar erholsamen NeujahrsabenNachdem wir bereits Tortellini Panna zum Frühstück hatten Roland bereitete diese zu kocht Rüdiger zum Neujahrskaffee gebratenen KartoffelSven hat eine neue Entdeckung gemacht: Zigarrerauchen gegen Husten (er hat heute noch einen Grippetag eingeleger Morgen des dritten Tages begann mit einer ernüchternden Erkenntnis: Unser Haushalt verfügt über keinen Tropfen Øl mehr Grund zum Einkaufen. Der gestrige Fernsehabend führte wohl zu einer restlosen Vernichtung sämtlicher BiervorrätErste Akte des Sichvergreifens am Eigentum der anderen wurden begangen die Not treibt'er kontinuierliche Konsum von Alkohol hat einen ersten, angenehmen Nebeneffekt: Man erwacht nicht mehr mit einem Katergefühl. Dafür in Diskussionsbereitschaft: Ob der vermutete Tod von Heiner Müller nun einen großen Verlust darstellt ich meine, nicht , warum die Ägypter zwar in der Lage waren, die Pyramiden zu bauen, aber das Rad nicht kannten wobei die Erfindung des Rades einher gegangen sei mit der Abschaffung der Sklaverei und ob wir Schwerpunkte setzen sollten bei hellen Nudelsoßen und ob wir nun mit dem Einkaufen auf Rüdiger warten oder alleine gehen, um nicht weiter untätig herumsitzen zu müssen. Alsbermals haben wir inzwischen nur zu dritt, Stefan, Roland und ich einen ausgedehnten Strandspaziergang absolviert, biertrinkend, fotografierend, das Licht bewundernd, das uns der nordische Sonnenuntergang bot; jetzt gibt's heissen Kaffee und Bier. Einen Postkasten habe ich auch gefunden (nach langem Suchen), meine Botschaften aufgegeben repräsentativ an einen Freund, einen Arbeitskollegen , und an eine Angebetete. Aber das war gänzlich unrepräsentativ; davon gibt's nämlich nur eine. (Die ist dafür aber giebe M., lies bitte noch einmal die sechzehnte Seite des Buches von Roald Dahl, das Du mir zwecks Erbauung in die Ferien mitgegeben hasen halluziniert neuerdings, nachts von Nazis besucht zu werden, die das Fenster öffnen und die Heizung ausschalten, dabei laut aus Mein Kampf vorlesen, um ihn vorsätzlich zu erkälteerrascht, mich zu einer Minute ertappend, nicht an Dich gedacht zu haben fasziniert vom Stellenwert, den ein Mensch im Denken eines anderen erreichen kann erlange ich nun im wohligen Augenblick der Reflexion das angenehme, doch aufregende und gleichermaßen bemerkenswerte Gefühl der plastischen Erfahrbarkeit von Vorfreude, einen Menschen, der einem mit fortschreitenden Entbehrung mehr und mehr bedeuten will, wiederzutreffen, zu ahnen vermögend, was die neuerliche Begegnung einem zu bescheren in der Lage sein wird. Ich bin jedenfalls gespanntn welchem Ort im Denken eines Anderen einem sich durch räumliche, nicht unbedingt gleichzeitig auch mentale Abgeschiedenheit durch Fortschreiten dieses Umstands auf der Zeitachse unseres mehr und mehr davonrasenden Lebens erlaubt ist aufzuhalten, gehört zu den Mysterien menschlichen Daseins, seit der Fortpflanzungstrieb sich vom rein animalischen Akt auf intelllektuelle Ebene transzendiert hat. Das Ungewisse der Erwartung nährt die Hoffnung auf Erfüllbarkeit derselben. Mit zunehmender Lebenserfahrung reduziert sich das Triebverhalten auf wenige; Traumbilder mehr und mehr ignorierend und gipfelnd im ewigen Wunsch, sich doch endlich sicher fühlen zu können des Wissens, die sei es und nur diese eine, gelernte Überlegungen abbauend, warum, sei sie es wirklich, sämtliche Alternativen trotzig verwerfend, ungeachtet der Inhalte philosophischer Gebäude des Schulwissens. Die quälende Langsamkeit des Fortschreitens einer Beziehung die weit davon entfernt scheint, einer konkreten Erfahrbarkeit zu genügen und deren Lage innerhalb bekannter Vorgänge nicht klar zu definieren ist, macht mich mürbe, es stellt mir immer öfter sich die Frage, wie lange man noch bereit sein soll, auf dieser Überquerung eines schmalen Grats zwischen Wahnsinn und Verdrängung weiter einzugehen, nicht wissend, wo er hinfüheues Bier, neues Glück? Wir sind jedenfalls nicht zum Spaß hier! Also lerne ich mich aus unerwarteter Distanz kennen, gleichzeitig wachsendes Verlangen körperlich spürend, einen Menschen zu haben, der mehr bedeutet als der eigene Leib, dies erst jetzt erfahrbar, als dass sie eigene Stellung im Bewusstsein eines selbst langsam an Unschärfe verliert. Die anderen spielen zusammen; das ist besserLiebe M., ich fürchte, dass ich mehr und mehr meines Inneren nach aussen kehren werde, es vor Dir ausbreitend, nicht wissend, welche Reaktion deinerseits dieses hinter sich herziehen mag, aber relativ gleichgültig der Reaktion, der Vorgang an sich ist entscheidend! Nutzend den Tag, der sich in Kälte, doch Schönheit über uns ergießt, die Finger klamm und brennend, die Gesichter gerötet, sich dem Abend ergebend, der diese Gedanken unbarmherzig emporspült ... Diese Aufzeichnungen sind für Dich bestimmt, die für die Reisegemeinschaft freigegebenen Erinnerungen sollen nur die Klammer setzen, die sich um dies Geständnis meiner Zuneigung zieht, ein schneeweisser Faden, der meinen Gedanken Halt gibt und sie gleichzeitig weiter emporzieht aus dem kreisenden Strudel meines Bewusstseins, den Vorwurf widerlegend, ich hätte nichts zu erzählen! Auch für mich übrigens ein Novum, wie die Blumen und der ganze Rest ... Ich muss gestehen, der Roald Dahl geht nicht so recht an mich, inhaltlich nicht, die Sprache nicht den Ehrgeiz an den Tag fördernd, der nötig ist, um ein thematisch befremdliches Werk zu verarbeiten. Doch es gibt ja noch eine gewisse Auswahl literarischen Neulands und mit einkehrender Ruhe nach dem Stress von Ankunft und Begehung des neuen Jahres mehrt sich die Freude auf die noch verbleibenden drei Urlaubstage und die Vorfreude auf bevorstehende Erlebnisse vergoldet durch die Gewissheit eines Nichtvorhandenseinkönnens von AußergewöhnlichkeiIch vergaß zu erwähnen, dass wir am Vorabend des neuen Jahres (selbstverständlich) drei oder mehr Mal das Dinnner for one mit dem wunderbaren Freddie Frinton verfolgt haben uns von Mal zu Mal in gemindertem Verlust der Anfangsminuten verbessernd (da wir's natürlich durch Zufall erwischt haben, unterbrochen durch lange Strecken des Sumo-Ringen dräuender Dunkelheit rotten sich jetzt wieder die Nazis zusammen, um nachts zu kommen und, laut aus Mein Kampf vorlesend, die Fenster zu öffnen und Sven wird stiller und stille speisten abermals hervorragend und warten nun still, aber angespannt zu platzen. (Dabei trinken wir Biern setzt das Gesellschaftsspiel fort ich konsumiere abermals ein Produkt eines der größten Dosenhersteller der Welt doch aus einer Flasche, denn Dosen dürfen hier zu Lande ausschliesslich in Exportgeschäften Nutzung findenuf Grund und unerwartet von einer bestimmten Musik an eine bestimmte Person gedacht, versuchtnzurufen, besetzt, Scheisse. Interessanterweise unmittelbar darauf an andere Person gedacht, in anderem Zusammmenhang, doch durch gleiche Musik motiviert. Befremdlich ... neuer Versuchüdiger ordnet eine Notiz an, deren Inhalt sei, dass ich nicht mehr so viel schreibeÜberraschenderweise bin ich nachweislich nicht zu dünn angezogen: Ich möchte eine mir nahe stehende Person an ihre prophetischen Kritikpunkte der Ermangelung an Pullovern oder gar der unzulänglichen Auswahl an Schuhwerk erinnern ..Die ersten Zigarren des Abends werden ausgepackt und in Brand gesetzt; ich bin umgestiegen auZigaretten, da die Zigarrillos mir zu unangenehm am Kiefer ziehen. Muss gehen. Wer wollte Salz haben? Durchlüften dringend nötiDurch die Terminierung der Heimreise verpassen wir wohl eine Folge des Schattenmannes, doch die sich mir noch ungetrübt in Aussicht stellende Möglichkeit, Dich, M., am darauf folgenden Tag sehen zu können, lässt den Verlust in Seen der Gleichgültigkeit sanft einsinken, Nebelschwaden über der Wasseroberfläche zerreissend, im warmen Lichte unbestimmbarer Quellen ... (Hoffentlich geht das klar, ungeachtet des ungewissen Ausgangs einer weiteren Begegnung von Angesicht zu Angesicht.)nenwechsel: erotischer Wachtraum; wie ein Déjà-vu ... Sie trug wieder ihre schwarzen, halterlosen Strümpfe, bewegte sich durch unterschiedliche Situationen in meiner Wohnung: Auf dem Boden liegend (sie) glitt ich mit meinen Lippen den oben liegenden, scharfen Grat ihrer ungewöhnlich langen, fülligen und dennoch richtig proportionierten, glühendheissen Beine entlang; Schnitt; sie, im Sessel sitzend (hinten, rechts, der einzige unten), ein Glas Champagner in der Hand (sie trinkt nur Champagner, Kind guten Hauses, doch mäßig verwöhnt), wobei ich ihre hohen, schwarzen Schuhe liebkose, durch meine Hände gleiten lasse, die zusätzlich zu ihren angeborenen einssechsundachzig noch einen Zentimeter zum auf Anschlag eingerichteten Absatz addieren, das glatte Leder streicht meine Handflächen entlang, streift meine Wange und lässt meinen ganzen Körper sich in Bewunderung schütteln ... So liegt sie auf dem Boden, den Oberkörper auf Ellenbogen aufgestützt, suchen sich unsere Nasen, Lippen, finden sich unsere Zungen, wobei ich die Aussenseite ihres Oberschenkels mit der Linken geniesse, mich langsam zum Bund ihres Strumpfes tastend, um das heisse, hungrige Fleisch ihrer Hüften in ohnmächtige Starre der Lust zu versetzen ... Dann steht sie, unmittelbar nach Durchschreiten der Tür, mit dem Rücken mir zugewandt, ich sinke wie im Traum nach unten, die Kante des knapppen, schwarzen Rocks mit meinem Gesicht ertastend, die Augen geschlossen; mit kaum merklichem Reflex weitet sich der Raum zwischen ihren Beinen, gierig saufe ich das Gemisch aus dem von ihr geliebten, mir so vertrauten Dufts und den unkontrollierbaren, mit ihr ebenso unvergleichlich in Verbindung zu bringenden Lockungen meiner Sinne ... Meine Hand tastet sich nach oben, der gewundenen Linie der Innenseite ihrer Schenkel artig folgend, zögernd, wieder und wieder verharrend, das Allerheiligste erforschend, Traum und erlebte Vergangenheit verschmelzend, werden eins, Wunschträume heraufbeschwörend; des Satans Klaue tastet, versucht mich heranzuziehen, mir die trügerische Nahbarkeit körperlicher Gelüste vorgaukelnd, doch nie werde ich die winzige Hand, die mir das Schicksal entgegenstreckt aus dem endlosen Hin-und-her zwischen Alltag und Alkohol, im teuflischen Spiel riskieren, mein Leben für eine sinnlose Verlängerung einer einzigen Nacht her zu geben, um danach in einen Abgrund der Selbstzweifel hinabzustürzen, aufzuschlagen und mich ungewissen Ausgangs mühsam wieder aufzurichten in endloser Qual des Bewusstseins, mit Wissen darum gefehlt zu haben. Den Traum, den ich seit vier Wochen habe, sehe ich erst am Anfang, allein die Spannung, was da kommen möge, ist den Einsatz des sich Aufsparens wert, allein um die Möglichkiet wahrzunehmen, feststelllen zu dürfen, ob die Hingabe in diesen Traum sich gelohnt haben kann und des Sieges über diesen Traum bin ich mir gewiss, was mich am Leben hält und dem Tag mit Zuversicht ins Auge blicken lässt, grau und kalt, doch gegen Abend verfliegen die Schleier über dem Horizont, das Land in dunkles Glühen tauchend, ein neuer Abend, folgt ein neuer Tag ... Und alle Träume und Versuchungen werden übertroffen werden, da der Knoten platzt und ich endlich weiss, wer ich bin, da man das nur durch das Bewusstsein eines Menschen erlangen kann, den man liebch habe sie trotzdem angerufen, ihr ein frohes, neues Jahr gewünscht, denn auch ich bin nur ein Mensch, und nicht nur wegen gemeinsamer Stunden hat sie es nicht verdient, nicht ebenso behandelt zu werden und nicht wie ein Hund, denn das habe ich all zu oft getan; und auch anderenm Fernsehen Heiner-Müller-Retrospektive. Scheint doch gestorben zu sein. Sven fasziniert, ich genervt, die anderen weniger beeindruckt. Später werden wieder die Nazis kommen und an der Heizung drehen. Dennoch eine Anregung: Zum Besang meiner gescheiterten Hoffnungen würde ich einen Chor bestellen, sei ich noch des Schreibens fähiDie lustigen Hüte, die wir am Silvesterabend trugen, sind auf dem Fernsehgerät ausgestellt.r Bogen, der sich unsichtbar gen Heimat spannt, lässt den ursprünglichen Reisebericht einer Fahrt ohne Berichtenswürdigkeiten zum Selbstzeugnis wachsen und pulsieren, mich in sein unbekanntes Feld hineinziehend; ich freue mich wie ein Kind auf jedes neue Wort, dass in dieses Papier fließen will, es gibt eine Motivation, die für mich Neuland darstellt, eine unwiderstehliche Spannung aufbaut zwischen dem Akt der Reportagen und der Neugier, das alles gelesen erlebend, denn lesen (ungekürzt) sollst nur Du es, Du, und ich weiss darum und freue mich, wie man sich auf etwas freut, das man erahnt, doch letztendlich auch nie erfahren wird, auch nicht nach der Bescherung, und erst die Zeit wird verstehen lassen die Zusammenhänge und das Selbst, wie mechanisch notierendOder fasst Du es als kleine, unbedeutende und nicht erwünschte Stilübung eines egomanischen, von minderen Begabungen geleiteten Geistes auf, gehst auf Distanz, unbemerkt von mir in meinem gefühlstrunkenen Wahn, in den ich umso tiefer fallen werde, weniger Dich beeindruckend, da getäuscht durch die Gaukelbilder meiner endlosen Einsamkeituiness-Buch der Rekorde für längste, sinnlose, da unbeantwortete Liebeserklärung an einen Menschen, der nur eine Freundschaft suchte auf Grund anders gestalteter Lebensziele in Folge von ErfahrungenDie Beziehung von C. und V. ist nur ein Abklatsch auf die Ballade von John und YokoUnd da drüben zocken sie, Rauchschwaden schwängern die tropisch-feuchte Luft bis zur Übersättigung, Sven zappt wie wahnsinnig geworden die Programme durch, und obwohl mir's bis zur Mitte der Speiseröhre steht, werde ich mir noch eins holen, denn schlafen kann ich nicht, die Grippewelle rast auf Berlin und ich hoffe so sehr, dass es Dir gut gech bete M. an, und je länger dies Gefühl nicht offen erwiedert wird, umso mehr nährt die Hoffnung, die ersehnte Beziehung auf neue, unbekannte Abschnitte der eigenen Existenz auszudehnen, denn ich fühle das herannahende Erwachsenwerden und verspüre immer heftiger das Verlangen, diese Zeit, die da bald anbrechen wird und die wahrlich lange nicht durch andere Lebensalter abgelöst werden soll ich beginne, auch das zu fühlen nicht alleine erleben zu müssen, und bei Auswahl des Partners, die wie nichts anderes in der Welt vom Zufall bestimt, merkt man erst die Verschiebung der Kriterien vom Unwichtigen zum Wesentlichen, und auch diese Veränderung muss man erst lernen, doch erleichtert durch eine endlose Reihe von Fehlschlägen, nur der eine oder andere Lichtblick darin, wie beispielsweise diese eine, doch damals war sie zu jung und ich war zu wenig erfahren, um mit dieser Differenz umgehen zu können, obwohl die äußeren Umstände nicht eben schlecht standen, und gerade da kann man Pech haben, reduziert sich das breite Spektrum nebensächlicher Schauplätze des ältesten Marktes auf einen Hauch von Ahnung, wie ein eisiger Wind kurz nach Sonnenuntergang, das Glühen eben erloschen, die Tannen scharf am dämmernden Himmelskreis und der Schnee leuchtend, unheimlich, jetzt husten ausser Sven noch Roland und Tanja. Die Nazis waren wieder da und haben (ausser den üblichen Misshandlungen) in Stefans Verschlag mehrere Bretter zersägt. Und wir müssen schon wieder Bier kaufen..a wir die letzten Tag immer die westliche Küste in nördlicher Richtung abgeschritten hatten, macht Stefan heute den Vorschlag, heute an die Ostküste dieses Schlauchs, der sich eine Insel nennt, zu laufen. Da gibt's zwar keinen Sonnenuntergang, doch Abwechslung muss auch sein. Noch drei Tage, die Morgende gleichen sich, stereotype Gespräche wieder gab es großes Hallo, als Stefan, nunmehr äußerlich gereinigt, vom Badezimmer zurückkehrtöre nie auf einen Juristen: jetzt sind wir tatsächlich über drei Stunden lang durch eine verlassenes, menscheleeres und immer dunkler werdendes Dänemark gelaufen, ohne die Ostküste jemals zu Gesicht zu bekommen, die Ödnis unterbrochen durch leere, unbewohnte Häuser, eine ebenso leere Kirche, wenige Automobile, hin und her, immer dieselben, und die ernüchternde Erkenntnis, den nördlichsten Punkt Langelands erreicht zu haben. Knorrige Strände mit Bergen toter, schwarzer Muscheln. Ein rapider Temperatursturz und, schmal über dem Horizont, andere, traurige Landstriche. Umkehren, sich zurückarbeiten, einziger Lichtblick die Aussicht auf ein gemütliches Abendmahl und im Fernsehen den Schattenmebe M., vorhin (es sind nunmehr genau zwei Stunden vergangen) habe ich Deine Stimme gehört, die wie Gold hinabfloss von der Decke des Raumes, von dem aus ich telefoniert. (Ich lag auf dem Rücken.) Und wieder umspielten sich unsere Worte, bedacht, nicht das Kleinste unserer Selbst preiszugeben, näherten sich, um im nächsten Augenblick wieder zurück zu springen, das Feld sichernd, dann abwägend, nur um abermals vorsichtig aufeinander zuzugehen ... Die Spannung bleibt bestehen, nährt das kalte Einerlei der Tage auf Langeland; ich zähle die Zeit zu unserer nächsten Begegnung die Du im Gespräch vage in Aussicht stelltest, keine unscheinbare Andeutung eines Wunsches, mein Antlitz zu sehen, das bloße Nichtablehnen einer solchen genügt, in mir ein Feuer zu entfachen, das ermöglicht, mit unzulänglicher Ausrüstung diese skandinavischen Wintertage heil zu überstehen (hier war's wieder, nur für Dich, doch nur für Dich ist dieser Bericht, weshalb die kleine Andeutung auch nie auf Nichtverstehen stoßen wird mehr auf Amusement, erlebt noch in Jahren, wobei ungewiss, ob von uns oder vom Einzelnen für sich, wehmütig). Und auf den Brief freue ich mich, obwohl mein Herz schlägt ob des ungewissen InhaltsWobei ich auch die ganze Zeit, während Casablanca lief, an Dich gedacht habe doch nicht nur deshalb mein Anruf, denn der Wunsch, Dich zu sprechen, kam aus mirnd Stefan sägt wie ein ganzes Sägewerk. Wir sind nun alle zu Bett, die letzten Aufzeichnungen beim aufregenden Schein der Nachttischlampe: noch zwei TageS. Es gab Nudeln, dann Lachs, dann wieder NudelnAnmerkung: Neu bei unserem Gespräch war, dass es auf einer abstrakten, von der bildhaften Vorstellung des Partners losgelösten Ebene stattfand und dies (im Nachhinein gespürt) zu einer höheren Intensität führte, als sie nur von Telefongesprächen sogar mmit Dir bekannt wäre. M., M., M., mir ist nicht bewusst, dass eine Frau mich so beschäftigen kann, doch gefällt's mir, obwohl schon die nähere Zukunft hinter Nebeln zu verschwinden scheint wie der Dunst an der Scheidelinie von unerwartet farbigem Himmel und eisigem Gewässer, Brücken und Schiffe preisgebend, um sie im gleichen Augenblick wieder zurück zu ziehen, wie die Hand, die Du mir im Gespräch reichst, die sich, je näher ich zu ihr stoße, umso weiter zu entfernen scheint ..Ich habe Angst, mich so auf einen Menschen einzulassen, denn ich merke, wie diese Fixierung immer stärker mein Denken durchdringt, doch umso mehr fürchte ich das Zurückgewiesenwerden, das man bei größerer Nähe zur Wasseroberfläche sonst geschickt oder gar unbemerkt umgehen könnte. Doch was immer der Himmel will, wird da kommen, und ich kann mich auch nicht mehr aus diesem Dschungel zwischen Zuversicht und Ungewissheit befreienDer Sven als solcher echauffiert sich bei der Auslegung von PokerregelnHeut' habe ich an die Münchnerin gedacht und wie ich mit ihr in dem spanischen Restaurant saß auf der Rückfahrt an die Frau aus dem Hotel (das ich nie gesehen habe), wie ich bei ihr (nicht etwa mit ihr) auf dem Hochbett in Bornheim genächtigt habe sie mit ihren schwarzen Strümpfen, dem roten Mantel; und wie sie beim Verlassen des Paulaners aufs Maul geflogen ist ... Gerade bin ich aufgewacht, habe Dich angerufen, keiner da, hoffe, Du freust Dich trotzdem, und alles wird gut. Rüdiger und Stefan haben sich fürwahr selbst übertroffen: Es gab Tortellini in Sahnesoße an Schnitzel (paniert), Rotkraut und Kartoffelbrei als Beilagen. Aber das erzähle ich Dir morgenIch muss an diesen prüfenden, durchdringenden, mein Innerstes ertastenden und nichts seines eigenen Geheimnisses preisgebenden Blick denken, der dennoch zutraulich war und von großer Güte, alt und verständnisvoll. Die Nase, die Aussprache der Rrrs und die dünnen, dunkelbraunen Haare, ein Körper, als hätte man glühende, braune Haut über ein zart mit Muskeln bespanntes Knochengerüst fallenlassen, werde ich nicht vergessen, obschon ich mit dieser Liebe abgeschlossen habeDer letzte Sonnenuntergang auf Langeland bemühte sich redlich, einen Höhepunkt darzustellen. Beim ersten roten Schein, der zwischen den kahlen Bäumen sich durchschlängelte, bin ich zum Strand gelaufen, die Kamera in der Hand, nicht die Eiseskälte spürend (gestern, auf dem Weg nach Svendsbjörg, war über viele Kilometer die Ostsee zugefroren). Nun liege ich wieder im Warmen; Himmel und Schnee nehmen wieder die gleiche Farbe an: morgen gehts zurückEs ist richtig verwunderlich, dass sich M. immer wieder freut, meine Stimme auf dem Anrufbeantworter gehört zu haben, und es macht von Mal zu Mal mehr Freude immer wieder, immer mehr anzurufen, um Freude zu machenDie Anwesenheit von Peter zog es nach sich, dass wir sehr, sehr oft finnischen Punk der Gruppe Waltari gehört haben. Sven isst Lachsbrötchen: ein Teil Brötchen zu vier Teilen Lachs. Sehr gut.e näher der Termin der Abreise rückt und damit die Rückkehr nach Frankfurt, desto lauter ist Deine Stimme in meinem Kopf. Du wirst mit Deinem Fingernagel meine Oberlippe ertasten, meine Lippen berühren Deinen Hals, Du lächelst, lässt mich Deine Reife wie einen Duft mit der Nase aufsaugen und mich gleichsam mit ausgestrecktem Arm, die flache Hand auf meiner Brust, zurückschiebst, immer lächelnd, doch ohne Hohn, eher von Mitleid mit meiner gequälten Seele. Und doch wirst Du Dich mir nicht entziehen wollen, Dich endlich deinen Gefühlen entlanggleiten lassen und abzutauchen in einen unbekannten, unerforschten Traumeinhalb Stunden nach Mitternacht ist der Himmel über Langeland von einer unheimlichen Helligkeit, als würde bereits die Dämmerung nahen. Der Schlaf will nicht kommen, die Müdigkeit, die sich wie eine Last auf meine Lider gelegt hat, zu vertreiben. Es ist seltsam, mit drei Menschen in einem Raum zu schlafen. Der Schnee vor dem Haus leuchtet dunkel. Es wird eine kurze Nacht werden, die von Minute zu Minute zusammmenfällt in ein Gefühl der kontrollierbaren Leichtigkeit, das mich den morgigen Tag über begleiten wird und ihn in die Länge ziehen wird, das mich des Abends schwach und teilnahmslos nur noch den Wunsch erahnen lässt, schwer auf mein Bett zu sinken und damit abermals diese Spannung zerreissen wird, die mich zu Dir hinzieht und mich in einem Fieber schütteln lässt, da ich viele mögliche Züge auf diesem Schachbrett vorausplanen, abwägen, wieder verwerfen muss, getrieben von der Furcht meines Herzens, etwas zu verlieren, das ich nie besessen hRoland gibt ein Geräusch von sich, das mich an eine Herz-Lungen-Maschine erinnert. Stefan grunzt wie ein Schwein, wohingegen Sven lautlos auf dem Sofa liegt, in eine Decke ingewickelt; ich im Schlafsack, gegenübeIch wollte M. noch anrufen, um ihr zu sagen, dass ich mich auf sie freue, doch habe ich es hinausgezögert, feige, dann eine Weile geschlafen, es auch ein bisschen verdrängt und wieder abgewogen, ihre Reaktion und Empfindungen zu kalkulieren versucht, doch die Chance nicht genutzt, einfach das tun zu können, was das Herz verlangt, idiotischnstadt, 08.10.2002]
[Der Ort des Schreckens, Frankfurt-Innenstadt, 02.10.2002]Moment \ Weitere Aufnahmen urbanen LebensBeobachtungen \ Dechiffrierung von Eigenschaften oder Verhaltensweisen bei Menschen oder TierenBemerkungen \ Notizen, Thesen, Meinungen, TatsachenArtefakte \ Elemente einer ausgewählten Teilmenge oder StichprobeZeichen \ Gesellschaftlich relevante Themen und TechnologienMoment \ Aufnahmen urbanen LebensSymptom