Beobachtungen \ Dechiffrierung von Eigenschaften oder Verhaltensweisen bei Menschen oder TierenArtefakte \ Elemente einer ausgewählten Teilmenge oder StichprobeZeichen \ Gesellschaftlich relevante Themen und TechnologienStreifzüge durch Frankfurt \ Recreaton \ Style \ Unerwarteter TodMoment \ Aufnahmen urbanen LebensSymptom[18.01.2003] Ich habe gerade nach vielen Jahren mal wieder einen spiegel der gedruckten Ausgabe gelesen, den ich vor ein paar Tagen in der S-Bahn gefunden hatte. Dabei fiel mir die verwendete Sprache unangenehm auf; sie erinnert mich an die des stern vor einigen Jahren. Ich frage mich nun, ob das im Zusammenhang mit spiegel online zu betrachten ist, der sich ja, wie generell in den Neuen Medien üblich, einer vereinfachten und weniger sorgfältig lektorierten Sprache bedient, wobei mich das in einem Online-Magazin auch weniger stört. Dass die Nachrichtensprache des Fernsehens durchaus Einfluss auf die im Alltag verwendete Sprech- und -Schriftsprache hat, wissen wir ja nun. Oder wo wurde vor der Tagesschau so inflationär etwas "angeprangert", wenn nicht in der Hilflosigkeit der Weltpolitik zu weltpolitischen Vorgängen? Bald erscheint sicher der erste SMS-Roman in einer reinen Dialogfassung.[30.12.2002] Warum sterben die Stars von einst an Altersschwäche und nicht mehr bei wilden Sex-Orgien? - Ach, wenn ich nur an weiland Harald Juhnke denke, wie er sich nach einem dreitägigen Alkoholrausch mit einer 19jährigen in einem Berliner Hotelzimmer verschanzte ...[19.12.2002] Es ist ein bekanntes Prinzip, seine Intentionen mit einer akademischen Graduierung, uns sei sie in Anwartschaft, zu schmücken bzw. zu untermauern. Mir fällt auf, dass ein habitueller Unterschied zu bestehen scheint, ob jemand einen vergammelten Raum zu einem Happening transformiert oder ob jemand, der an einer Kunsthochschule Kunst studiert [lernt? beigebracht bekommt?] einen vergammelten Raum zu einem Happening transformiert. In beiden Fällen kommt eine Distinktionsaufwertung des oder der Protagonisten zum Zuge, die landläufigen Mechanismen der freien Marktwirtschaft Respekt zollt: Tue Gutes und sprich darüber. Jemand, der anderen die Flucht ermöglicht in einen Raum, dessen vollzogener, sei es, einmaliger, auf jeden Fall frühzeitiger Besuch eine distinktive Auwertung der Person des Besuchers nach sich zieht, mit der man für sich und um andere werben kann, erfährt einen Distinktionsschub, der bis in die zweifelhaften Bereiche der lokalen Prominenz reicht. ... Fragwürdig hingegen ist die ambivalente Wechselwirkung mit den eigenen, eben den anderen Intentionen im künstlerischen Feld. Wird die Rauminstallation spannender, weil ich die Chance habe, wenn ich mal gross bin, Künstler zu sein, besser oder wertvoller, obwohl nur zum x-ten Male in einem halbdunklen Raum hippe Musik ein paar noch-nie-dagewesene Diaprojektionen akustisch untermalt [oder bunte Bildchen den durch Musik legitimierten Kontakthof für urbane Hipster-Autisten optisch ausschmücken?], oder wird mein eigener Werdegang durch meine systemübergreifenden Aktivitäten von hinten angeschoben, in dem ich mich frühzeitig um heterogene Jüngerschaft bewerbe? ... Mich stört die penetrante Betonung, dass eine Rauminstallation [oder was auch immer] von Studenten der und der Kunsthochschule angeleiert wird, die bereits im Vorfeld meinungsbildnerisch Wirkung ausübt, nicht nur im rekrutiven Sinne, ein wirksames Publikum zu generieren, sondern auch das eigene Sein und Werden distinktiv in die Bespielung des Raum einzubringen, gleichermaßen, um Kritik von vorneherein den Wind aus den Segeln zu nehmen, weil das KANN ja gar nicht schlecht sein. ... Interessanterweise machen ja die findigen unter den BWL- oder Jurastudenten nichts anderes. Sie organisieren in irgendwelchen Schicki-Diskos ihre Semesterfeten, verdienen damit einen Sack voll Asche – und geben sich damit zufrieden, weil sie ja sowieso Anwalt oder Vorstand werden wollen. Der RAUM und seine BESPIELUNG sind innerhalb ihrer strukturellen Bedingungen ABSOLUT IDENTISCH. Dennoch scheint es einen distinktuellen Unterschied zu geben!?[14.12.2002] Es scheint halt auch eine abstrakte Autorität des diffusen Anderen [="links-sein"] zu geben. Das wird sehr häufig durchmischt mit alternativen Anderen wie prioritäre Einstellungen bezüglich Drogen oder der Ablehnung des Geldes als Kommunikations-Medium [nach Luhmann]. Ich habe nichts dagegen, wenn Linke kiffen, aber wenn Pseudo-Linke an politischen Diskussionen ausschliesslich mit Kiffersprüchen partizipieren, nervts und sensibilisiert gegenüber der linken "Szene" als solchen.[12.12.02] Fotografieren Werbefritzen für Strumpfhosen und ähnliches "urweibliches" Gedöns deshalb bevorzugt Herrenbeine bzw. nimmt das männliche Publikum, das seinen Frauen diese zu Weihnachten schenken soll, deshalb auch eher die Reklame positiv und in höherer Bereitschaft zur Umsetzung des Kaufimpulses auf, wenn man es im Unterbewusstsein spüren lässt, dass dort, in der Anzeige und auf der Verpackung, SEINE Beine abgebildet sind?[11.12.2002] Die Firma Manufactum vetreibt seit rund zehn Jahren Scheisse. Altes Zeug, neu aufgelegt, Designerkram wie Türgriffe, Gummilampen, Kleiderhaken, exotische Lebensmittel wie Nudeln von einem blinden Bauern in Nepal mit speziellem, auf "ethnic chique" gemünzten, arschgeblasenen Etikett, Designer-Kindermöbel, "Original"-Zeugs wie die vollkommen sinnlose Dampfmaschine aus "Jugendtagen" - alles für eine fantasielose Zielgruppe, die einer Pseudonostalgie frönt, sich durch Verwendung spezieller Hilfsmittel in einer endlosen, verkrampften Individuationsspirale dreht oder sich einfach nur einen drauf runterholt, "bessere" Produkte oberhalb des esoterisch-trivialen Reformhaussortiments zu verwenden. Produkte für das "aufgestiegene Kleinbürgertum". Kleinkarierter Kram, bei denen die Form über den Inhalt gestellt wird und die Verpackung sich über die Form stülpt. Und alles im Versandhandel; das ist Quelle für Neureiche. Das prangere ich an, das finde ich total überflüssig. Es beleidigt mein Auge. Es verspottet die Gesellschaft. Die Leugnung von AIDS und Auschwitz in einem rechtsdrehenden Champagnerentkorker für Linkshänder, die ihre Resignation vor dem Umstand, dass man Stil nicht kaufen kann, in der Verwendung eines schönen Scheins von Upper-class-Instrumentarium ersäufen.[02.11.02] Ironie ist die Schwester der Satire. Mit Hilfe von Satire lässt sich die Behauptung widerlegen, Auschwitz sei nicht darstellbar.[22.10.02] Ich frage mich gerade, inwiefern bei institutionell im kulturellen Feld, doch von diesem und im weitläufigen Sinne zumeist in *Servicebereichen* beschäftigten Personen ein diesem entspringenden und auf diesen bezogener Geltungsdrang festzustellen ist, der sich im vermeintlich freien Raum der ("off"-) "spaces" manifestiert, beispielsweise in Form von Galerien und/oder Veranstaltungen. – Ist der künstlerische Geltungsdrang jener, der [was den Lebensunterhalt angeht] den Protagonisten erst in den kulturellen Bereich treibt, oder bildet sich dieser zwangsläufig als eine Form von Automatismus aus der beruflichen Auseinandersetzung mit dem Thema heraus?[10.10.02] Heute ist es ja auch Kunst, wenn man nicht mehr Kunst macht, sondern über Kunst spricht, sich mit ihr beschäftigt. Und wenn man dann darüber spricht oder streitet, dann ist das sicher auch Kunst, vielleicht sogar noch mehr Kunst, wenn nicht gar bessere Kunst. Das ist wie bei dem Mann im Kopf, der sich dabei zusieht, wie er sich selbst beim Denken betrachtet.[06.10.02] Ist schon jemand die Werbung für die aktuelle Ausstellung in der Schirn aufgefallen? Nein? Mir auch nicht. Also nicht, bis ich mir heute morgen aus lauter Langeweile die Begleitinformation zum Netzplan des RMV im Schaukasten zu Gemüte führen wollte. Doch da sprang sie mir fies ins Gesicht. "Total besoffen fahr ich heim, und kotze in den Nachtbus rein?" Nein. "Alles muss raus!" [Oder wars rein?] Aber das in einer für den Autor entlarvenden Käfer-Jeans-Ästhetik. Ja, ist ja schon gut. Wir wissen jetzt, dass Du Ende Dreissig, Anfang Vierzig und inzwischen Top-Kreativer einer schicken Werbeagentur bist, der es entgegen dem allgemeinen Trend so dermassen gut geht, dass sie nebenher noch ein bisschen Platz für lokales Kulturmarketing hat. Da haben wir aber Glück! Sind nicht allein in Frankfurt-Stadt ein halbes Hundert Kreativdirektoren auf Jobsuche? Scheissegal. Ich jedenfalls habe jetzt keine Ahnung, um was es bei der Ausstellung geht. Ich weiss nicht einmal, ob das Plakatchen überhaupt eine Ausstellung in der Schirn beworben hat, oder ob es sich um einen allgemeinen Spendenaufruf für das notleidende Kulturestablishment handelt. Oh, Entschuldigung: ich meinte natürlich Etablissement. Von der Ästhetik zur Impulsverhaltung des Kunstmarketings: Wenn auf jeder Kaufhausplastiktüte im Rahmen einer Koop-Promotion mit der Schirn "kaufmich" draufsteht und dies in der Praxis nur als Koop-Promotion der Kaufhäuser untereinander wahrgenommen wird, hat das Ganze recht wenig Effekt für den ursprünglich zu stützenden Kunstbetrieb. Immerhin für den lokalen Einzelhandel; unverkannbar.[01.10.2002] Es gibt kein Revival, schon gar nicht von der Neuen Deutschen Welle. Es gibt nie ein Revival. Das ist für Menschen aus der Mülltonne, die orientierungslos durchs ästhetische Grundraster irren und jene, die in ebendiesem einmal hängengeblieben sind, derweil sich die Strukturen über, unter und durch sie hindurch verschoben haben mögen.[06.09.2002] Der Machismo ist eben doch ein hauptsächliches Schauspiel; beschreibt die Darstellung doch deckungsgleiche Strukturen wie in der Verabschiedung zwischen / von Schauspielern. Klartext: Versuch mal, jemand nach der Aufführung in der Theaterkantine abzuholen um wegzugehen. Brauchste's Weggehen gar nicht erst einplanen. Verabschiedung[en] lassen Folgeveranstaltungen generell nicht mehr zu, unter zwei Stunden Verabschiedere läuft da gar nix. Und dann wundern sie sich, dass sie keine Freunde ausserhalb des Theaters haben.[10.08.2002] Was fasziniert, ist die Anhäufung von Wissen, aber die Unfähigkeit zur Verknüpfung des selbigen; zur Betrachtung aus einer gewissen Distanz. Wichtig ist die Definition der eigenen Persönlichkeit durch das Vor-Geschriebene; durch andere Menschen vorgeschriebene. Die totale Identifizierung mit kritischen Gedanken erzeugt erst den "kritischen" Habitus der eigenen Persönlichkeit. Das impliziert natürlich eine Kritikunfähigkeit in Bezug auf eine Kritik von aussen. Diese mangelnde geistige Flexibilität führt auch zur Zwangshandlung einer unbedingten Verteidigung der eigenen Position, die man sich so mühsam erarbeitet hat. – Das katastrophale Scheitern beim Mittagessen im Sandwich-Restaurant, in dieser amerikanisierten Essgewohnheit sich irgendwie aus einer Reihe von Einzelteilen das Essen selbst zusammenstellen zu müssen, was dem Gast einen Distinktionsschub, Involvierung in das Geschehen, eine Aufgabe, eine Funktion, er darf – er muss –; ohne ihn gibt es das Essen nicht, und eigentlich würde man sich lieber ein Essen, das aus – eben eine Komposition als Ganzes aussuchen können. – Eine Bewusste Entscheidung DAFÜR. Das Andere ist keine Entscheidung, sondern ein Gestammel. – Eine Parallele zur Zusammensetzung des gewünschten Baguettes aus einzelnen Teilen ist auch die Zusammenstellung des "geschmückten Erscheinungsbildes" gewisser Teile des weiblichen Proletariats; nicht EIN hochwertiger Ring oder eben der Gesamteindruck, sondern ein Sammelsurium aus vielen kleinen Einzelteilen bestimmt das Bild. An jedem Ring ein Finger; an jedem Fußzeh ein Ring – und im krassen Gegensatz dazu bei anderen das bewusste Ablehnen jeglicher Form von Schmuck, der nicht durch Ideologie bestimmt ist oder die Ideologie selbst darstellt.[08.07.2002] Politisches Engagement und die theoretische Auseinandersetzung mit politischen Inhalten sind unkreative Tätigkeiten. Diese ernüchternde Erkenntnis liegt begründet in dem Umstand, dass die Basis für das politische Schaffen die Überzeugung vorstellt; eine Adaption fremder Ordnung, die möglichst deckungsgenau mit dem eigenen Über-Ich erscheint, wahlweise auch sein Negativ bilden kann [traditionell und insbesondere bei der Linken]. Da sich die intellektuelle Tätigkeit auf Interpretationen vorhandener Erkenntnisse und Datenbestände beschränken muss bzw. diese die hauptsächliche Möglichkeit darstellen, eine Entwicklung vorzuzeichnen, schliesst die politische Tätigkeit das Spiel und die Freude am schöpferischen Experimente aus und bleibt eine sehr ernste Angelegenheit. Deshalb kann und wird Politik auch nie lustig sein. Insofern unterscheiden sich Philosophie [als Meta-Kunst] und Politikwissenschaften weniger von den Inhalten, denn im formalen Zugang zu den Ökonomien des Wissens. Frage: Kann unter diesen Voraussetzungen Kunst jemals politisch [gewesen] sein?[25.06.2002] Zugegeben; nationalistische Gefühle zu haben ist in Deutschland seit 57 Jahren offiziell verboten. Fussball ist der einzige Ort, dafür auf der ganzen Welt, an dem der Deutsche [Türke, Franzose, Koreaner, aber die sind ja auch nicht im gleichen Masse stigmatisiert wie das "wir" als kollektives Selbst] seinen nationalen Atavismus ausleben kann. Während bei den Türken noch schwere Mercedi der vergangenen Baureihen zum Einsatz kommen, sind es bei den Deutschen vornehmlich nagelneue Klein- und Kleinstwagen mit tiefergelegtem Breit und ostzonaler Kennzeichnung [HG-, MTK- usw]. Es kommt halt auch immer auf das Mass an. Eine politische [ja; schon irgendwie] Demonstration wie die Frankfurter Nachttanzdemo erzeugt ein Riesentheater, wogegen es kein Schwein interessiert, ob drei Stunden nach dem Ende der Nachttanzdemo immer noch hupende Fussballidioten [ja, das IST rassistisch, wenn auch völlig unabhängig von der entsprechenden Nationalität] ungestraft vor meinem Fenster vorbeifahren dürfen.[19.06.2002] wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ... Frage mich, inwiefern die Bespielung eines Raums durch verschiedene DJs uswusf. durch o.g. Passus eine Aufwertung erfährt und wem dieser mutmaßliche Distinktionszuwachs dienlich sei. Dem Veranstalter? Dem Publikum? Handelt es sich um eine Verkaufsförderungsmaßnahme? Ein Gütesigel? Subventions-Chique?[30.05.2002] Besinnen wir uns auf die zugegeben nüchterne Tatsache, wo wir uns befinden. Nein; nicht im esoterischen Sinne "auf diesem Planeten" usw., sondern in Frankfurt. Vergleichen wir Tag- und Nachtbevölkerung schon allein von den Zahlen. Betrachten wir die Zusammensetzung unserer kleinen Gesellschaft. Warum studiert man in Frankfurt? Kaum, weil man hier geboren ist [denn dann will man ja hier erst einmal weg], weniger, weil Frankfurt attraktiv zum studieren ist, sondern weil man über die ZVS einen Platz zugewiesen bekommen hat. Warum geht man über die ZVS? Weil man hinterher schnell Geld verdienen will. Warum will man Geld verdienen? Weil die eigenen Eltern häufig noch die erlebten Entbehrungen der Nachkriegszeit in ihre Kinder prügeln mussten. Weil man das selten in Frage stellen kann. Und warum zieht man sonst nach Frankfurt? Richtig; wenn man über den Kassenschalter hinaus will, bleibt einem häufig nicht allzuviel übrig. Man ackert und buckelt und steht in der Lounge herum oder schwäbelt durchs Monza; man trifft sich im Kreise seiner Kollegen aus der Abteilung mit seinen Ehefrauen in den zwei, drei Bars im Westend, um nach erlangter Vollzähligkeit schleunigst wieder ins eigene, junge Nest zu entschwinden. Warum machen im Westend die Bars um 23 Uhr zu? Woran liegt es, dass man im M9 mehr Gesichter sieht, die sich einem zehn, fünfzehn Jahre zuvor einmal eingeprägt haben, aber nur wenig andere, und wenn, erkennt man sie schon am abwartenden Blick, ja wo ist es denn nun, das versprochene Amusement?! Schnell weg; im Living wird man wenigstens unterhalten. Das Ballett wird leider auch eher durch die getragen, denen jemand gesagt hat, es sei, schick, schon einmal dort gewesen zu sein, aber die Gespräche im Foyer sind sicher nicht die betrauerten Diskussionen, die wir hier vermissen. Zack – jetzt reichts für die Eigentumswohnung, den Zweitwagen, die Kinder als Lebensversicherung für die Frau, die mit dreissig längst vergessen hat, die Wachskutte der Jurastudentin abzulegen, und es ist ein Fest, wenn man in Frankfurt einen Babysitter bekommt, und dann entspannen wir uns aber mal richtig in der Alten Oper. Und was läuft da für ein Programm? –Bucovina Weichspüler / Konkret Attac [27.05.2002] Sagt, Freunde aus der linken Ecke, kann es sein, dass euch unbemerkt eure Themen abhanden kommen und plötzlich ungeahnte Erfolge im Land des Liberalismus feiern werden; nicht nur mit Mehrung des Reichtums durch inflationäres Festefeiernlassen ohne Abfuhr von Solibeiträgen [wie dumm sowas], sondern weil das Establishment beginnen wird, die ehemals verfemten und unappetitlichen Themen über den Katalysator des Nordishantelismus für sich zu erkennen, besetzen und befeiern wird? [Was macht ihr? Bis zum Exzess weiter im Keller des Exzess mit denen, die eher selbst der Solitarirät bedurften; die Junior-Produktmanager und Senior-Artdirektoren bespielen das Schauspiel und verbrennen die Euro zu Ehren der grandiosen Zampanos und des frisch repolitisierten Zampanismus.][05.2002] Eine feine, sich im hektischen Zickzack aufbauende, weisse Linie vor dunkelblauem, fast schwarzem Hintergrund. Dazu klick-klick-klick-klick, immer ein Klick, wenn die Linie ihre Richtung ändert. Irgendwo blinkt ein Wort_loading_ ... "rechnet" die Rechenmaschine? Man erkennt nach und nach ein abstakt anmutendes, transparentes Gebilde, wie so eine CAD-Zeichnung. Habe ich Gebäude gesagt? Wenn man mit dem Mauspfeil darüberfährt, blitzen einzelne Segmente des Gebäudes in einem hellrosa Licht auf, Worte erscheinen vor dem konstruierten Hintergrund, um alsbald wieder zu verschwinden ... der Hintergrund ändert seine Farbe von jenem tiefen blau über violett zu einem hellen Rot. Immer, wenn ich derartige, ach so beliebte, kontinuierliche Farbübergänge sehe, muss ich an Wittgensteins Problem des kleinsten sichtbaren Unterschieds denken. [Natürlich mit dem Knie, womit sonst.] Allerdings musste der auch nicht diese ruckelnden, spastischen Farbwechsel auf seinem Laptop ertragen, mit denen die noch die langweiligste Information kreischt: Hier! Hier bin ich! Schau, wie kreativ ich verpackt bin! Hier schöpft mein Schöpfer wirklich aus dem Vollen der Möglichkeiten, die eigentlich kein Schwein mehr interessieren. – Welch krasser Gegensatz zur Braanschen Bewegung der Information im durch Menschen belebten Raum, der doch ohne den Mensch selbst gar nicht existieren würde ... Sollten Tisch und Stuhl ihn wahrnehmen und eine Unterhaltung über das, was um sie herum ist, führen? Du musst dass Prinzip dieses Basars, dessen Abbild das Netz ist, einmal genauer beobachten. Das Hin- und Herhuschen der Menschen wie Honigbienen in einem Bienenstock, allzeit damit beschäftigt, Information von einem zum anderen tragen, in kleinen Grüppchen die gesammelte Information zu verarbeiten und ab und an alleine zu reflektieren und dabei neue Information hochwürgend, um wieder, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, aufs Neue emsig durcheinander zu wuseln. [In bestimmten Kreisen scheint sich der Wert der Information durch eine Funktion von Wegstrecke und Frequenz zu definieren.] Klick auf eines der leuchtenden Felder. Es bleibt hell. Nichts sonst passiert. Hängengeblieben. Ctrl_alt_esc_und nicht wieder versucht, den Raum zu betreten. Was mag dahinter verborgen sein? Wessen Bauchschmerzen sind es jetzt, die mir bereitet werden? Ist denn dort überhaupt etwas, bevor ich nachschaue? Natürlich, die Frage an sich ist Unsinn, meist ist's auch wurscht. Man kann auch im Netz nicht über die Möglichkeiten der Sprache hinaus.Köln–Frankfurt [27.04.2002] Es liegt im Wesen der Eisenbahnfahrt begründet, dass die Welt draussen selbst wie eine Eisenbahnlandschaft wirkt. Die Immanenz der Wiederholung macht die Faszinantion im Modell aus. Der Abstand kommt von der Flüchtigkeit ihrer Bewegung, einer Wahrnehmung „von unten“, und doch in kaum bedrohlicher, spielerischer Proportionalität. – Das Besondere Rüdesheims findet man in der Weite, die uns von der Landschaft zugebilligt wird, und die uns aus ihrem Raum heraus eine ferne Mächtigkeit spüren lässt. Die Intensität dieser konzentrierten Orts-Ansicht, von aussen und aus sich heraus, innerorts wirkt befreiend und beklemmend zugleich. Der Himmelskreis ist hier größer als am anderen Rhein, in seiner fernen Begrenzung, die ihn erst begreifbar macht im Gegensatz zur Ebene. Man muss erst eines Endes gewahr werden, um die Möglichkeit der Unendlichkeit erahnen zu können. Das Gewimmel in der Drosselgasse sieht man nicht; es scheint leer in den Straßen.[24.04.2002] Im Rahmen meiner Ermittlungsarbeit habe ich mir soeben eine Videoaufzeichnung des Tatorts angesehen und mir sind einige lokalgeografische Ungereimtheiten aufgefallen, die ich hiermit anprangern möchte: \ Die Rothaarige wohnt in Fechenheim, fährt aber über sie Station Gallus in südlicher Richtung mit der S-Bahn zur Arbeit. \ Dann steigt sie an der Hauptwache aus, kommt aber aus dem Schacht Festhalle/Messe gelaufen. \ Beim Einsatz fährt sie mit ihrem Kollegen von auf den Neuen Mainzer am Eurotheum vorbei in Richtung Norden, um im nächsten Moment bei Tortenbäcker Leidinger IV unten in der EZB um die Ecke zu biegen. \ Ich wusste nicht, dass die Gerichtsmedizin ins alte Niederräder Klärwerk umgezogen ist. \ Die Stammkneipe der Bullen ist am Gericht, ihr Arbeitsplatz aber am Platz der Republik. \ hr skyline sendet nachts nicht, sondern übernimmt das Programm von hr4. \ Die Brücke, über die sie nach Hause laufen will ("Ich habe es nicht weit"), ist die Honsellbrücke in südlicher Richtung. Und das ist nun wirklich Unsinn.[Werbung revisited; The Thing, 24.04.2002] Ich stelle gerade fest, dass Mercedes Benz den Spot für den neuen CLK mit einer Musik unterlegt hat, die vor einigen Jahren noch haargenau aufs Kameraauge der berühmten C&A-Kinowerbung gepasst hätte. Das wirft unter anderem die Frage auf, ob sich die heute 23jährigen, für damals die Spots gemacht waren, bereits ein Automobil für 35.000 Euro leisten können? Warum ist bei jungen Leuten Kunst, deren Markt inzwischen auch über die Instrumente der Absatzfinanzierung verfügt, nicht als (Status-)Symbol von Relevanz, oder etwa nur noch nicht? Liegt es daran, dass man z.B. ein Bild "nur" an die Wand hängen kann, aber zur Würdigung und dadurch subjektiv erst ermöglichten Wertschätzung zunächst über ein Instrumentarium verfügt werden muss, um potenzielle Bewunderer zu einem Besuch zu bewegen? Definiert sich der symbolische Wert eines Objekts als nichtinstitutionelles Gebrauchsgut in unserer Gesellschaft eher über die Rückmeldung durch ein persönliches Umfeld und nicht aus sich heraus? - Welche Funktion hat eigentlich der "Sound" einer Werbesendung genau, kann man ihn als emotionales Vehikel auffassen, in Ermangelung einer werteaffinen "Welt" (wie sie z.B. durch die des Marlboro-Cowboys geschaffen wurde) in einem immer sich immer weniger argumentativ differenzierenden Konkurrenzumfeld? Durch welche Musik fühlt sich eigentlich die junge Mutter angesprochen und mit welchem Automobil fährt sie die berühmten Schokoriegel mit den wertvollen Frühstücks-"Cerealien" (ein Begriff, den es merkwürdigerweise auch erst seit Mitte der Neunzigerjahre zu geben scheint) einholen, die sie als Einziges sogar zwischen den traditionellen Mahl-Zeiten ihrem Kinde zu reichen bereit ist?[Zu einer Frage von G. Weber, The Thing, 20. 04.2002] Dazu fällt mir erstmal nix ein. Dazu fällt mir aber bald ein, dass vielleicht das subversive Über-die-Mutter-Bewerben von Zwischendurchnaschereien ein boshafter, kleiner Stich gegen Familie, Essgewohnheiten und Tradition sowie Erziehung darstellt; wenn die Mutter im Filmchen das Gegenteil von dem tut, was sie auf Grund ihrer zu vermutenden eigenen Kindheit und Erziehung tun müsste und somit die Kinder (ihre realen Kinder) dazu gebracht werden, das Müttern das schlechte und gleichzeitig gute Beispiel der Mutter im der Glotze vorzuhalten, um zumindest häppchenweise die Rituale der Ernährung, die eigentlich Rituale der von Bourdieu beschriebenen Ökonomien darstellen. – Doch wie spielt es zusammen, dass gerade die Angehärigen von marketingnahen Berufsgruppen ein geradezu familiales Gruppenverhalten an den Tag legen in der Übergangsphase zwischen Berufseintritt und Gründung der eigenen Familie und welche Wechselwirkung hat diese Beobachtung mit dem Anarchomarketing der falschen Mütter und der so gutfürskindseinenden Milchschokolade zu tun?[10.04.2002 ff.] Wir sollten auch der bunten Welt und ihrer hyperaktiven Bewohner der bereits begonnenen Post-Spice-Ära ein paar Worte schenken. Gerade im öffentlichen Personennahverkehr kann man sich ihr nämlich kaum noch entziehen: der hysterischen Familie der GIRLIES, die sich in ihrer permanenten Show-Welt untereinander und vor anderen inszeniert, produziert und reproduziert. +++ Das GIRLIE-Phänomen beinhaltet ein von Teilen des eigenen sozialen Feldes oder von medialen Leitbildern überommenes neurotisches Verhalten, das sich in unterschiedlichen Symptomen darstellt: durch bewusst oder unbewusst zur Künstlichkeit stilisieres Erscheinen und Verhalten, durch akrobatisch schnelles Sprechen unter häufiger Verwendung von korrekten oder erfundenen Anglizismen, Grimassenschneiden ... MTV dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben, seit ein, zwei Jahrzehntenen wird immer schneller geschnitten und schneller gesprochen und immer weniger Sensibilität für die eigene Umwelt von sich aus gelebt. Noch vor fünf bis zehn Jahren hat es das in dieser Form noch nicht geben; auch als Jugendliche durfte man sich noch ganz normal unterhalten und musste nicht in dieser eigenen Sprache und dem grotesken, theaterhaften Habitus kommunizieren. Das Erscheinungsbild ist gleichbedeutend mit dem Versuch eines Kindes, die Welt der Erwachsenen nachzuspielen, was sich nicht nur in besagten Formen der Kommunkation, sondern auch in Kleidung und Kosmetik wiederspiegelt, die eine überzeichnete Kritik an der Maskerade des Establishments der letzten Jahrzehnte vorstellen. +++ Das GIRLIE-Phänomen hat unendlich viele Facetten, dennoch kristallieren sich zwei offensichtliche Hauptrichtungen heraus: TECHNOIDE und SCHICKSOIDE, erstere mit den bekannten Kothurnen und Trompetenhosen, die anderen mit hohen, fleischfarbenen Schlangenledersandaletten aus billigem Plastik und mit hohlen Absätzen, die schon beim Auftreten nicht nur das Auge, sondern auch das Ohr beleidigen. Die Übertreibung ist ein elementarer Bestandteil der GIRLIE-Kultur und endet bei den Augenbrauen, die zu so feinen Linien gezupft werden, dass sie stellenweise unterbrochen oder einseitig nicht mehr sichtbar sind in Unkenntnis oder Ignoranz von Verhältnismäßigkeiten, was in der Vergangenheit auch zur einen oder anderen persönlichen Katastrophe geführt haben dürfte, wenn auch nicht aus den ästhetischen Gründen. Das GIRLIE-Phänomen ist eine Jugendkultur, die sich dadurch auszeichnet, dass sie von den Erwachsenen nicht als abstoßend oder gefährlich empfunden wird – es ist die erste ernstzunehmende Strömung, über die offen gelacht wird, besonders in öffentlichen Personennahverkehrsmitteln. +++ Peter Weiss: Aus der Sicht der „Erwachsenen“ gab's Jugendliche mit hässlichen Klamotten und idiotischem Gehabe schon immer. Aus der Sicht der Jugendlichen gab's „spiessige“ Erwachsene schon immer. +++ Braan retourniert: Sie haben nicht genau hingesehen. Sonst wäre Ihnen aufgefallen, dass diese Generation zum ersten Mal in der vergeleichseweise kurzen Geschichte der Jugendkulturen ihre Nonkonformität in einer schrillen Überzeichnung der Form auszudrücken versucht, und nicht durch das Einnehmen von Gegenpositionen. Und dies zeigt sich auch, wie ich beobachten konnte, in der Verwendung der Sprache, die nicht inhaltlich eine Alternative darstellt, sondern nur ein Imitat der Linguistik vorstellt. Da aber eine falsche Auffassung der Sprache die ganze Logik und alles, was mit ihr zusammenhängt, zerstört bzw. wenn man das Element der Intention aus der Sprache entfernt und damit ihre Funktion zusammenbrechen lässt , mache ich mir große Sorgen um das, was da kommen mag – Pikachize yourself![09.04.2001] Ich prangere die formal aufgedunsene Inhaltsleere von besonders "Szene"-affinen Veranstaltungen an, und ich verurteile die schwindende Authentizität der subkulturellen Platzhirsche auf ihrem Weg ins pekuniare Establishment und ihrer Zielgruppen. Genau da gehören die böse guckenden kleinen Mädchen mit ihrem Entenstiefel-HfG-Chique "frisch aus der Mülltonne" auch hin. Hat man es wirklich nötig, sich dem kollektiven Selbstbeweihräucherungsaffentanz der pseudo-hippen Parties anzuschliessen? Wo kann man sich denn heute überhaupt noch wohlfühlen? Unter zugekoksten Bauherren, besoffenen Architekten, bekifften Architekturstudenten, hosenbeanzugten Berufseinsteigerinnen, kreischenden Werbeagentur-Tussis, denen keiner gesagt hat, dass ihre bereits letzten Sommer aus der Mode gewesenen Billigkopien der grobmaschigen Chanel-Netzstrümpfe an ihnen einfach nicht so aussehen wie an den Beinen der la Schiffer, glockenjeansberockten Malschul-Erstsemestern mit schlecht gezupften Augenbrauen, frisch geschiedenen, aber üppig ausbezahlten Schicksen, die auf der Jagd nach einem Kerl sind, der intellektuell etwas mehr hermacht als ein eindimesionaler Unternehmensberater mit zu keiner Zeit in Frage gestelltem Lebensplan, verkrachten Studenten der Geisteswissenschaften, die Bourdieu zwar kaum von Bourbon unterscheiden können, aber immer etwas mehr DJ als irgendwas anderes zu sein scheinen, Eventmanagerinnen im kleinen Schwarzen mit dem Background einer Ausbildung zur Kosmetikerin, Art Directors mit dunklen Anzügen, klobigen Lederschuhen, aber billigen Plastikuhren, weil die Leasingraten für das Kindercabrio die Kohle wegfressen, Handwerkern, die plötzlich "Designer" auf ihrer Visitenkarte stehen haben oder etwa unter der allgegenwärtigen Riege mieser Fotografen und ihrer giggelnden Fanclubs?[03.04.2002] Es gib sicher immer welche, die auf Grund irgend einer Antipathie wettern müssen. Ein Grund findet sich gern, sobald jemand etwas veröffentlicht, kann man das auch auf einen wie auch immer gearteten Drang zum Sichproduzieren zurückführen. Das ist leicht. Sich dabei aber des Ruches einer Polemik zu enthalten, gelingt seltener. Kunst als Aufnahme-Wiedergabe-Taste hat immer etwas mit Exhibitionismus zu tun, man kann nichts beschreiben, ohne auch aus sich selbst heraus zu setzen, in Wort, Bild und Ton zu fassen. Die subjektiv gefärbte Abbildung der Wirklichkeit ist den Bewohnern des Tragluftturms zuwider, vielleicht, weil sie sich selbst grundsätzlich der Sichtung und Verarbeitung der Welt verschliessen, um sich nicht ihrer eigenen Nichtigkeit bewusst zu werden. Ich habe eine Meinung. Die kann gut und schlecht und richtig und falsch sein. Sie ist niemals richtig oder falsch oder gut oder schlecht. Aber die Tatsache einer Meinung an sich ist. Was bleibt, ist ein schales Gefühl. Ich stehe davor und pinkele dagegen oder hauche ihn an, um die Fata Morgana verschwinden zu lassen. Wir leben alle in einer großen Stadt. Um uns herum passieren Dinge und sind Sachen. Man darf sie nicht beachten; profan. Wir leben in einer höheren, geistigen Welt. Von linksoben spucken wir auf alles herunter, treffsicher auf den obszönen Exhibitionismus derer, die auch noch so ewas wie den politische korreckt verbotenen Humor mit sich herumtragen. Humor bepisst das Vergeistigte durch seine Fähigkeit zur Selbstironie. Bin ich etwas besseres, weil ich mehr Bücher gelesen habe als Du?[02.04.2002] Es ist Dienstag und ich habe es wirklich nicht vermisst. Der bescheuerte rollende Single-Treff der von Berufs wegen Zugezogenen rollert an meinem Fenster vorbei. Rrrrrrrrrrrr machen die Rollen unter den Schuhen, Huuuuuuuuuuuuuuh macht die blöde Tussi, die sich gekonnt in die Arme eines Ordners fallen lässt. Mmmmmmmmmh machte der sie befingernde Ordner, der sich zwei Jahre in der Sachsenhäuser Rollschuhmafia hochgeschleimt hat, bis er die begehrte Armbinde mit der Lizenz zum Fingern tragen durfte. Daaa-dadadada-dadadada-dadada-dadada macht die primitive Musik aus dem Ghettoblaster, um die Bescheuerten in der Spur zu halten. Mööööööp-möööööööp machen die Hupen der Entnervten und Lalüüü die der Büttel jenes Kapitals, dem auch die Rollenmenschen dienen und für das sie sich innerhalb des rasenden Kollektivwesens finden und vermehren. Anschliessend werden sie, vom Trillerpfeifenpusten ausser Atem, polternd und stinkend die Kneipen des Nordends heimsuchen. Bleibt zuhause, meine Freunde, oder geht in ein Lokal, das durch eine Treppe geschützt ist.[Der Müll, die Stadt und andere symbolische Güter; 31.03.2002] Auf die Spitze getrieben wird die Müllkultur von unserem neuen Vermieter. Dazu muss man erwähnen, dass der alte Vermieter das Haus bereits langsam hat zumüllen und verfallen lassen, da er, wie sich später herausstellte, eine gewisse Summer Euro in den zugekauften Bundesländern mit größeren Immobilienprojekten verspielt hatte, was Dank des herrschenden Insolvenzrechts bislang nicht dazu geführt hat, ihm sein Haus, sein Auto und sein Boot zu nehmen. Der neue Vermieter, der das Haus aus der Konkursmasse erworben hat, ist ein einfacher Mann, der es zu einem gewissen Wohlstand und einen weitäufigen Besitz an Mietshäusern gebracht hat. Da Stil mit der Macht der kleinen Leute nicht im Set geliefert wird, beginnen Briefe mit "Sehr geehrter Mieter" und der verfallene Mülltonnenbereich wurde ersetzt durch einen schönen, neuen Vorplatz, auf dem die Tonnen, von komischen Steindingern eingezäunt, direkt an der Haustür offen herumstehen und das Fenster des Friseurs sowie die Enklave der chinesischen Restaurantangestellten im Erdgeschoss anstinken. Aufgrund einer eher sporadischen Entsorgung gerade im Papier- und Sondermüllbereich, der von der FES nicht im Rahmen des allgemeinen Müllturnus entsorgt wird, bildeten sich schnell verschiedene "Haufen", die widerum in Briefen an die Mieter durch den Vermieter uns als Mietern zur Last gelegt werden. Ein Müllkreislauf als diskontinuierliche Folge von kleingeistigen Handlungen eignet sich wahrlich nicht als Protestmittel.[29.03.2002] Finde ich doch inmitten meines Sammelsuriums klassischer Absonderlichkeiten jenes philosophische Frühwerk aus der Schule der fatalistischen Infinitesimaltransformation: ein "Softwarelexikon MS-DOS" von Kurtz/Freese, Rowohlt, 1988. Darin finden sich Erkenntnisse von geradezu entwaffnender Überzeugungsgewalt: "Systemabsturz: Bezeichnung für eine Fehlfunktion des Computers oder eines Programms, die dazu führt, daß der Computer keine Eingabe mehr entgegennimmt und kein Programm mehr ausführt. Das äußert sich meist darin, daß der Bildschirminhalt vollständig erhalten bleibt, aber weiter keine Eingaben mehr getätigt werden können. Da Computer und Betriebssystem im PC-Bereich relativ ausgereift sind, kann man einen Systemabsturz, der meist auch zu vollständigem Datenverlust führt, hauptsächlich auf die verwendeten Programme oder angeschlossenen Geräte zurückführen."[24./26.03.2002] Das ist ... eine berechtigte Frage. Mich fasziniert die Vorstellung, was für Dinge manche Zeitgenossen antörnend finden und versuche mich in sie hineinzuversetzen. Glücklicherweise klappt das meistens nicht wirklich, z.B. bei dem Bild von dieser Person. Auf der anderen Seite entspricht das Normative, das von der Mehrzahl festgelegt und behauptet wird, nicht der Realität unserer Triebe. Die meisten sagen, das ist ekelhaft, also wird festgelegt und erst einmal übernommen: Das ist ekelhaft. Jetzt scheinen da aber einige zu sein, die macht dieses schreckliche Bild total an, die finden es sogar in ihrem subjektivem, ästhetischen Empfinden schön. Deshalb sagt die goße Mehrheit: Diese Menschen sind ekelhaft, wenn nicht krank. Das ist ein Unsinn, der sich über die Generationen im menschlichen Über-Es manifestiert. Ich wiederspreche hier auch meiner Behauptung, dass Müll-Häufchen ekelhaft seien, ein wenig, aber das macht nichts. Das hatte ein ganz anderes Ziel. Ich beschränke mich auf die Feststellung: Aha, da gibt es anscheinend andere, die haben einen anderen Geschmack. Vielleicht haben die gar keinen anderen Geschmack, sondern lassen mehr aus sich hinaus als andere, die dazu nicht den Mut oder die Anlagen in der Erziehung haben. Pfui, bäh, Kaka ist ekelhaft. Hausarrest und Händewaschen! Ausserdem bin ich neugierig, was es alles auf der Welt gibt, von dem die schicken Menschen auf der Fressgass nichts wissen wollen, bis die Frau auf dem Rechner vom Mann einen Ordner mit Bildern von scheissefressenden Pinguinen findet. | Im Weltbild vieler Menschen ist die Vorstellung, dass es andere gibt, denen die Abnormität ein stilisiertes erotisches Ideal darstellt, nicht zulässig. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf die Frage eingehen, wodurch derartige Präferenzen zustande kommen; nicht nur vom ästhetischen Standpunkt ist der rezeptive Mensch das Zentrum seiner Lustgestaltung. Er ist deswegen nicht "schlecht", weil seine Vorstellung der Norm, also dem Abbild einer mehrheitlichen Meinung – was generell keine qualitative Aussage zur Ästhetik zulässt –, nicht entsprechen. Zurückgefürt wird das meist relativ eindimensional auf die Prozesse, mit denen sich die Psychoanalyse und die Erforschung der Entwicklung der Identität eines Menschen auseinandersetzten. | Nun kann man, zum Beispiel durch unbedachtes Sondieren, natürlich leicht Türen aufstoßen, die nicht geöffnet werden wollen, oder auch nur "noch nicht". Schenkt man einem sochen Menschen ein Buch, das von einem anerkannten, historischen Schriftsteller erotischer Literatur der besonderen Vorlieben geschrieben wurde, aknn man unseren jungen Menschen schon allein dadurch in einen Konflitk stoßen, wenn die als abstoßend und menschenverachtend wahrgenommenen Inhalte von anderer, idealisierter Seite an sich auf neutrale Art und Weise als legitimes Vehikel zum Transport bestimmter, sich in unserem jungen Menschen in idealisierter Form wiedergefundener aufklärerischer Inhalte zu Kenntnis genommen werden. Dieser Konflikt wird durch eine Projektion auf den Geber des Werkes abgewälzt, er erscheint in veränderter Form in der Auseinandersetzung mit der "kranken" Realität der anderen Person und wird, in dem eine neurotische Blockade zur kategorischen Ablehnung jeglicher weiterer Auseinandersetzung mit der Person an sich, bis zu ihrer fernen und als unwahrscheinlich angenommenen "Läuterung", transformiert wird.[25.03.2002] Setzen Sie sich in die S-Bahn mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Blicken Sie konzentriert in Ihren Schoss und versuchen Sie, ohen den Blick abzuwenden, festzustellen, wo Sie gerade entlangfahren. Es ist eine Gegend, die Sie zwar wahrnehmen und zu kennen glauben, aber in der Sie noch nie zuvor waren – ungefähr so wie in manchen Träumen.[Zu "Müll ist funky"; 24.03.2002] ... Das Thema ist ambivalent, eine Förderung des müllpolizeilichen Denunziantentums wird der Tatsache gegenüber gestellt, dass es viele ankotzt, wenn sich die U-Bahn-Schächte als Abfallhalde darbieten. Die angesetzte Vermengung dieser beiden Felder ist allerdings fragwürdig, denn ich bin der Auffassung, dass eine gewisse Verantwortung mit seinem eigenen Müll weder dem freudianischen Über-ich noch dem denunziatorischen Übermenschen zu obliegen habe, sondern schlicht und ergreifend einem ästhetischen Grundempfinden. Müll kann geil sein, dann aber richtig und nicht als subversiv hingeworfenes Stück Dreck. Das wäre so, als würde ein Maler an beliebigen Stellen einen den anderen weder konzeptionell noch inhaltlich verbundenen Farbklecks in die Welt setzen; Streuverlust halt. Ich möchte das Thema nicht entpolitisieren, aber eine begriffliche Trennung des politischen Aspekts vom in sich unbedeutenden Müll-Atom fände ich schon überlegenswert. Müll als Audruck von Protest funktioniert nicht im Kleinen, sondern beleidigt das Auge.[Liebes Fräulein Braan; 20.03.2002] Ich hatte diese Geschichte von der jungen Frau in Singapur gelesen, die mit 700g Shit erwischt wurde und nun gehängt werden soll. Gestern fragte ich mich noch, wie dumm ein Mensch eigentlich sein kann, dass er seine Aktivitäten auf ein Feld verlegt, im Wissen, dass in diesem Land die Todesstrafe darauf steht. \ Heute morgen musste ich auch bei der Mail von dem Menschen, der in mir seinen Schuldigen gefunden zu haben glaubt, an diese Geschichte denken. \ Mailinglisten sind eine faschistiode Einrichtung. Nur aufnehmen, nicht nachdenken, Ausschluss von Kritik und Diskussion, die Manipulierung der Mitglieder ist ein Einfaches, da keinerlei Überprüfung der Tatsachen initiiert wird. Immer nur aufnehmen, konsumieren, Pillen schmeissen. Partypartyparty. \ Menschen, die nichts wollen und denen alles in den Arsch geschoben werden muss, die um sich schlagen wie verzogene Kinder, nur um auch einmal laut um Hilfe zu rufen, kriegen keine Antwort.[19.03.2002] Ein Hard-tail ist hinten nicht gefedert, nur vorne oder gar nicht. Meins ist vorne gefedert, aber die Stossdämpfer sind schon so runter, das ist bretthart. Wichtig ist auch, dass Du nicht mit Klickpedalen, Neoprenanzug und beheizbaren Socken rumfährst. Am besten mit coolem T-Shirt, kurzer Hose und Chucks. So fährst Du dann auf den Feldberg und rauchst oben erstmal eine, während die Affen gegenseitig ihre Fahrräder besprechen. Die Bike-Mädels finden das auch total cool und die Jungs hassen Dich. Dann brüllst Du: Hohooo!! und heizt wie ein Bekloppter den Berg runter, schön über Königstein und den Liederbach entlang und am Main zurück. Die anderen gurken über irgendwelche komischen Trampelpfade zur Hohemark, schrauben ihre Räder auseinander und tun sie hinten in die Kombis. Dann fahren sie heim nach Frankfurt. Du bist natürlich schon von hier aus hochgefahren, hast vorher aber nur zwei Stunden geschlafen und bist total besoffen.[19.03.2002] Interessanterweise ist auch die beschriebene Tatsache einer Gabelung des Weges im kulturellen Raum an sich nicht allein eine Erscheinung unserer Zeit, wenn sie auch bislang nicht so kontrovers aufgenommen wurde wie nach den Vorgängen rund um die letzte Nachttanzdemo, deren versuchte Kommerzialisierung durch die Diskussion kurioserweise quasi repolitisiert wurde. – Denke man an die Batschkapp, deren Wurzeln nachweislich im direkten Umfeld der Achtundsechzigerbewegung zu finden sind und deren alternativer Ansatz bei den Betreibern in Vermischung mit dem avantgardistisch-hedonistischen Umfeld des Cooky's, einhergehend mit der generativen Erneuerung von Lokalpolitik und Verwaltung zu Entwicklungen wie der kurioserweise auch noch unter Aspekten der drogenpolitischen Flurbereinigung gestützen Einrichtung des Nachtleben führen konnte, zwangsläufig zu einer absolut durchkommerzialisierten Institution wie des U60311 führen musste, um sich dort wieder in der Szene, die aus der Technobewegung (und damit wieder in direktem Bezug zur ursprünglichen Loveparade) entstanden ist, zu definieren. – Rein kommerziell ist, auch in Parallele zu den aktuellen Prognosen zu bestimmten Teilen der New Economy, nicht unbedingt der Weg ins Loft von längerfristigem Erfolg gekrönt, sondern eben der von der Strasse unter die Strasse. Pflasterstrand. Auftritt. Fisch fickt Fahrrad. Q.e.d.[17.03.2002] Eine Erfahrung ist es, mit dem Rad schnell die Staustufe zu überqueren und dabei senkrecht nach unten zu schauen. Durch die Gitterroste kann man nach direkt auf die verstellbaren Wehre blicken, bei einer gewissen Geschwindigkeit nimmt man die Roste nicht mehr als vorhanden wahr, man scheint sechs, sieben Meter über der Flut und dem Betongrat entlangzuschweben ... Man erinnere, nach etwa zwei Dritteln in nördlicher Richtung kommen drei Treppenstufen –[15.03.2002] "Guten Morgen" ruft der Morgenkaffee und lacht aus seiner Automationstasse mit der Sonne um die Wette. ... \ Automation: Höchster Mechanisierungsgrad bei der Produktion und Bearbeitung von Gütern, Dienstleistungen oder Informationen. ... Insbesondere von gewerkschaftlicher Seite wird unter Einbeziehung der betrieblichen Mitbestimmung eine sozialverträgliche Gestaltung und entsprechend gebändigte Weiterführung der Automatisierung gefordert. (Hilmann, Wörterbuch der Soziologie)[14.03.2002] Die wenigsten haben einen Sponsor und fangen trotzdem nicht gleich an zu weinen. (Unlogisch, was? Umgangssprache!) – Im Übrigen ist jede musikalische Darbietung vor Publikum, die nicht zu 100 Prozent improvisiert ist und von der keine Tonträger existieren und jemals gefertigt werden würden und nach denen der oder die Künstler keinen Suizid begehen oder sich in der erklärten Absicht, nie wieder in irgend einer Form Kunst schaffend tätig zu werden, auflösen, irgendwo eine Werbeveranstaltung; vielleicht nicht für Instrumente oder die Autos, mit denen die Instrumente transportiert wurden, sondern letztendlich immer für die Marke Künstler-selbst oder die konservierbare und reproduzierbare, auch beliebig oft kopierbare Kunstdarbietung-an-sich und wenn nicht das, dann für den Ort der Veranstaltung, sofern dieser nicht unmittelbar nach Vollendung der Darbietung für immer geschlossen oder abgerissen wird. Das könnte man endlos so weiterführen und im Übrigen finde ich es nicht besonders tragisch, wenn irgend jemand, der nicht von einem ausschliesslichen Altruismus angetrieben wird, sondern seine Brötchen mit dem Objekt seines Interesses verdient, in seinem ureigensten Sektor eine Veranstaltung organisiert oder an einer Veranstaltung partizipiert. – Oder ist das etwa eine Verschwörung der bösen, bösen, internationalen, musikmessenbefüllenden und anspruchdurchkonsumzwangersetzenden Synthesizer-Mafia, deren Intention das Ende der Kunst ist? Abgesehen davon: Was kosten Konzerte eigentlich sonst auf dem Markt, oder "darf" man das hier nicht mehr vergleichen? – Früher war eh alles besser; ... Der Space-Place wird noch am Abend der Veranstaltung abgerissen und in die Union verlegt; es gibt nie wieder ein Konzert und ab sofort ist alles umsonst.[09.03.2002] Ich beherberge einen einzigartigen Gegenstand, und das ist ein Bild von zwei auf drei Metern Größe. Zugegeben, es handelt sich hierbei de facto nicht um einen Haushaltsgegenstand, wenn sich unter der Bezeichnung Begriffe tummeln sollen, die Dingen zugeordnet sind, wie dem Zwecke einer Aussteuer in sich nicht abgeneigte Behältnisse und Apparaturen. Dafür strotzt dieses Bild nur so von einem herrlichen Yves-Klein-Blau, mit heftigen Schlägen über die Leinwand getrieben, welche sich eigensinnig von den Ösen, mit denen sie befestigt ist, loszureissen scheint und sich drohend über meiner Schlaffstatt gebärdet, mit Deckweiss beschüttet, das von grober Hand verrieben. Zu diesem Bild gehört eine kleine Geschichte. Der Schöpfer ist ein ehemaliger Nachbar aus dem so genannten Sanatorium, einem ehemaligen Kurhaus neben einer weit über die Grenzen Deutschlands bekannten Schwefelquelle, im Volksmund Stinkebrunnen genannt, in der Nähe von Frankfurt. Der Meister, der dort sein an meine Behausung angrenzendens Atelier betrieb, hatte den Betrug jener an die schönen Künste glaubenden Welt zu seiner Maxime erkoren: Strenge Rasterflächen auf großformatigen, monochromen Leinwänden, die er durch den Einsatz von Sprühfarbe durch im Raster angeordnete Luftlöcher nicht verwendeter Deckenplatten des Neubaus einer Finanzanstalt im Frankfurter Westend, die der Künstler künstlerisch beriet, insbesondere beim Ankauf von Arbeiten aus seinen eigenen Beständen, die nicht nur die langen Gänge des Sanatoriums zierten, sondern auch seinen und meinen Keller vollkommen ausfüllten, wo er in seinem Gönner mit nicht unwesentlichem Einfluß auf die Verteilung der Budgets zur innenarchitektonischen Selbstdarstellung des Instituts eine nicht nur im Wein verwandte Seele gefunden hatte, zu erzeugen pflegte. Und wenn das Bier beim Malen wieder einmal umfiel und die Suppe sich über das Werk ergoss, wurde der gottverachtende Schmutzwischer quer über das angehende Meisterwerk schnell zu einer, von den Ehefrauen der Mäzene verehrten, "schönen Information" erklärt. – Ich sehe darin ein Gesicht; ich erkenne es ganz genau, doch ich komme einfach nicht darauf, wer es ist! – Gnä’ Frau, es handelt sich natürlich um unseren Bundeskanzler! – Es begab sich, dass der Künstler eine Ausstellung zu organisieren hatte, und dazu gehörte nicht nur die Spedition seiner Werke ins benachbarte Ausland, sondern auch die Überführung einer großformatigen Auftragsarbeit an einen dort ansässigen Kunstsammler. Es war nun so, dass Kunstwerke, die zum Zwecke einer Ausstellung ins Land eingeführt und nicht wieder ausgeführt wurden, nachträglich zu verzollen waren. Zur Prüfung wurde bei Einfuhr eine Liste geführt, in der die Bilder, sowie deren Formate und Preise, vermerkt wurden, worunter sich natürlich auch die Auftragsarbeit befand, und die bei Ausfuhr mit dem Bestand abgeglichen wurde. Wovon allerdings niemand etwas ahnte, war eine auf kleinsten Raum zusammengefaltete Leinwand blauer Färbung, die in den Schluchten des Handgepäcks den Weg über die Grenze angetreten hatte und welche später, bei Ausfuhr der ausgestellten Arbeiten, den Platz der Auftragsarbeit gleichen Formats eingenommen hat. – Nun wacht es über meinen Schlaf und hätte doch, schon auf Grund seines ideellen Werts, einen würdigeren Platz verdient als den eines Traumfängers meiner verschlungenen Wege durch den Schlaf. +++ In New York traf der Künstler, als er sich mit dem Einäugigen, der vorletztes Jahr leicht angetrunken bei der Eröffnung der Kunstmesse versucht hat, M. anzumachen, und dem Beleuchter durch Zufall auch einmal Don King in einer Kneipe.[07.03.2002] Das rekursive "Du nervst, aber weil ich ja ein besserer Mensch bin, darf ich diese meine wesentliche Meinung jedem aufzwingen, denn weil ich bin, ist das gut und interessant und wenn Du irgendwas sagst, ist das schlecht, denn Deine Reime sind die Schweine und ausserdem bin ich nämlich Musiker und DJ" ist so ein typisches Gejammere des Ewig-Unzufriedenen. Kann sich der Mensch nicht in aller Stille meinen unqualifizierten Äußerungen entziehen, sondern muss sich dazu noch in irgendeiner Form auslassen; ist das nicht dadurch, dass er sich fomal nun doch wieder auf eine Stufe stellte, bereits in sich verschwommen? Man sollte, wenn man seine Missgunst schon auf den Scheffel der Öffentlichkeit stellt, soviel Contenance besitzen, einen offiziellen Antrag zum Ausschluss wg. allgemeiner Redundanz stellen.[21.02.2002] Diese doppelplusungut Verrohung der Listenneusprache schockt mich, denn die Reduktion der Frau auf ihre sekundären Geschlechtsmerkmale (wieso eigentlich sekundär, kann an sich das nicht mehr aussuchen, das ist ja wie im Pornofilm hier, rein-raus-rein-raus) und die des Mannes (Entschuldigung: MannInnes oder MenschEs) auf seine Sinnesorgane (Hmmmmmmmm ... Oooooooooooh ... GUTE Reime, feine Reime; Deine sind die Schweine); wo bleibt denn da die Romantik![15.02.2002] Es ist nicht einfach, herauszufinden, wer den AfE-Turm verbrochen hat. Trotz der dekonstruktivistischen, funktionalen Klarheit der Fassade ist er nicht von Eiermann. – Man hatte bei der Stadt angerufen, um Klarheit über die Urheberschaft zu erlangen, worauf allerdings der zuständige Beamte feststellt, dass die "Akte Turm" verschwunden sei und zu suchen beginnt. Nach ein paar Tagen bekomme ich einen Anruf (sic!) aus dem Technischen Rathaus (von ebenso dekonstruktivistisch-funktionaler Transluzenz, zwar ohne Kreiseln, doch das nur am Rande), die Akte wäre gefunden, doch sei daraus nicht ersichtlich, wer den Turm entworfen hatte. – Durch Zufall stiess ich später auf ein populärwissenschaftliches Buch und da stand's: die Architekturabteilung eines Wiesbadener Amts. – Die Nemesis der Abrissbirne wird nicht nur den Turm, sondern auch auch das technische Rathaus in den Schlund des Mythos reissen, zusammen mit dem Hochtief-Haus auf der Bockenheimer und nachfolgend dem – wir prangern das an – Zürichhochhaus, in dem, wie unten erwähnt, schon Hamlet in den 60ern Gruppensex hatte. – Der AfE-Turm war übrigens 1972 (was wohl das Baujahr ist) der höchste Turm Frankfurts! (8ern, 07. März 2002)[Anfang 2002] Die Unfähigkeit, innere Projektionen von externen Botschaften zu unterscheiden, führt zu Bedingungen, in denen eine Seite das Gewicht des gesamten Erkenntnisflusses zu tragen hat (frei nach Peters): Ist es wirklich so voll in dem Schuppen, dass immer nur, in Minuten dauernden Abständen, einzelne Personen Einlass erhalten können, oder handelt es sich nicht vielmehr um ein sich uns nicht erschliessendes Ritual mit dem Zweck, die Einlass Begehrenden in ein hegemoniales System einzubeziehen (da: der Türsteher, "oben", hier: wir, "unten"; aber wir sind doch alle eine Familie?!), um eine noch ambivalent vermutete Entschlusssituation zu einer vollständigen Identifikation mit dem anstehenden Diskobesuch zu transformieren? – Die Menschenscharen, die derweil aus der Tür strömen, sprechen gegen erstgenannte Vermutung.Symptom 29.12.2002